• Jakobsweg

    43. Tag

    Santiago – Landau Der Morgen danach Ich wachte mit einem dicken Kopf auf und realisierte, dass mit der Ankunft tags zuvor in Santiago das Ziel erreicht war und somit das große Abenteuer kurz vor seinem Ende stand. Wo sollte ich heute hin, was war mein heutiges Ziel und warum war plötzlich alles vorbei? Es fühlte sich nicht gut an und wie in Trance ging ich unter die Dusche, zog mich an und ging raus in die Stadt. Ich lief wie ein Fremdkörper durch die Gassen und heute weiß ich nicht wirklich, wo ich überall war. Ein nettes Café zog mich zu einem ersten Frühstück an und die Kathedrale wollte ich…

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    42. Tag

    Santiago Nach dem Gefühlschaos bei Ankunft an der Kathedrale in Santiago standen, lagen und sitzten wir längere Zeit auf dem Vorplatz und jeder versuchte auf seine Art die ganzen Emotionen zu verarbeiten. Es wurde gelacht, geweint, gesungen, getanzt, neu ankommende Pilger begrüßt, Fotos geschossen, gesprochen, geschwiegen und man versuchte irgendwie zu realisieren was da gerade und in den letzten Wochen passiert war. 42 Tage zuvor war ich völlig unbedarft in Irun gestartet und hatte nicht mal im Ansatz eine Ahnung davon, was in der Folgezeit mit mir passieren würde. Rückblickend weiß ich, dass mich der Camino vom ersten Augenblick in seinen Bann gezogen hat und während ich diese Worte schreibe,…

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    41. Tag

    Pedrouzo – Santiago 19 Km (4,5 Stunden) Um 6:30 Uhr rappelte der Wecker und ich war direkt hellwach und sehr emotional und vergoss bereits die ersten Tränen, noch ehe der Tag so richtig begonnen hatte. Heute sollte also der Tag sein, auf den ich so zielstrebig hingearbeitet und für den ich seit Tagen an und über meine physischen Grenzen gegangen war. Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass ich am letzten Tag vielleicht doch noch mal schmerzfrei laufen könnte, aber dieser Wunsch erfüllte sich leider nicht. Egal, ich wollte in Santiago einlaufen und nun war ich nur noch 19 Kilometer von meinem großen Ziel entfernt. Würde ich tatsächlich in wenigen Stunden…

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    40. Tag

    Arzua – Pedrouzo 20 Km (6,5 Stunden) Morgen steht der letzte Tag an und es sind nur noch 19 Kilometer bis Santiago! Es ist unfassbar und irreal für mich und gleichzeitig bin ich voller Vorfreude auf den morgigen Tag. Ich habe es bis hierher geschafft und Morgen werde ich voraussichtlich tatsächlich in Santiago einlaufen. Wie dies zuletzt mit meinen Beinen möglich war, weiß ich selbst nicht, aber mein großer Wille und eine Kraft von außen haben mich immer weiter getragen. Nachdem sich mit Regula aus der Schweiz, Angele aus Kanada und mir ein perfektes Trio gefunden hat, ist nun auch klar, dass wir Morgen gemeinsam in Santiago ankommen werden. Heute…

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    39. Tag

    Sobrado dos Monxes – Arzua 23 Km (6 Stunden) Gestern Abend wurden die Schmerzen im rechten Bein so stark, dass ich im Kloster nicht mehr in der Lage war mich fortzubewegen und es schien klar, dass mein Weg zu Ende sein würde. Meine Weggefährtinnen Angele aus Kanada und Regula aus der Schweiz versorgten mich mit Essen und sprachen mir Trost zu und schließlich weinten wir zu dritt und lagen uns in den Armen. Seit Tagen sind wir zu einem gut funktionierenden Team zusammen gewachsen und wir sind wie eine kleine Familie. Die beiden gingen im Kloster in die Messe und baten um Hilfe für mich während ich ab 16:00 an…

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    38. Tag

    Carballedo – Sobrado dos Monxes 31 Km (8 Stunden) Heute geschah schlichtweg unmenschliches und mir ist bislang selbst nicht klar, wie dies überhaupt möglich war. Ich lief heute zunächst 20 Km mit heftigsten Schmerzen im rechten Schienbein, konnte anschließend 6 Kilometer bei einem Spanier im Auto mit fahren und lief anschließend nach einer Stunde Pause nochmals 5 Kilometer bis ich schließlich am Kloster in Sobrados dos Monxes ankam. Die heutige Etappe verlief über 31 Kilometer und auf der gesamten Strecke lag eine einzige Bar und sonst nichts. Wir liefen kilometerweit, ohne auch nur einer einzigen Person zu begegnen und dass der Spanier im Auto tatsächlich anhielt und mich sechs Kilometer…

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    37. Tag

    Vilalba – Carballedo 29 km (8 Stunden) Was war das für ein wundervoller Tag heute? Ich wachte am Morgen auf und hatte in beiden Schienbeinen Schmerzen und es schien fraglich, ob ich damit würde laufen können. Ich hinkte ins Bad und dort wurde mir bewusst wie glücklich und dankbar ich für das Abenteuer Jakobsweg bin und ich beschloss die Schmerzen in meinen Beinen annehmen zu wollen und vorallem nahm ich mir vor den Weg genießen zu wollen. Nach dem Frühstück nahm ich einen Schmerztapletten Cocktail zu mir und um Punkt acht Uhr startete ich mit der Kanadierin Angele die heutige Etappe. Das rechte Schienbein schmerzte und ich erinnerte mich an…

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    36. Tag

    Abadin – Vilalba 22 km (6 Stunden) Nach der heftigen gestrigen Etappe stand heute eine vergleichsweise kurze und relativ flache Etappe auf dem Programm und das am Vorabend noch stark geschwollene linke Schienbein war am Morgen überraschend abgeschwollen und schmerzfrei. Es war eine Wohltat die erste Stunde am Morgen ganz ohne Schmerzen laufen zu können und so kamen Angele und ich auch relativ gut voran. Die ersten sieben Kilometer waren in 1,5 Stunden gelaufen und danach gab es erst einmal unsere erste Kaffeepause. Nach dem break traten plötzlich nach und nach die gleichen Schmerzen im Schienbein wieder auf, heute zur Abwechslung dann aber mal im rechten Bein. Ich fing früh…

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    35. Tag

    Lourenza – Abadin 27 Km (8 Stunden) Ich startete morgens um 8:00 Uhr mit Angele von Lourenza aus und nach zwei Stunden hatten wir bereits Mondonedo erreicht. Die ersten neun Kilometer waren geschafft und nach einer ausgedehnten Frühstückspause machten wir uns schließlich auf den Weg nach Abadin. Diese Strecke hatte es allerdings in sich und brachte uns beide an unsere Grenzen. Es galt eine Strecke von 17 Kilometern, fast ausschließlich steil ansteigend und auf Asphalt laufend, zu überwinden. Der Weg schien endlos zu sein und immer, wenn wir dachten die Spitze erreicht zu haben, ging es wieder um eine Kurve und anschließend die nächste Serpentine aufwärts. Es war sicherlich eine…