Jakobsweg

24. Tag

La Islas – Amandi 23 Km (6,5 Stunden)

Gestern hatte ich einen rundum gelungenen Tag und ich war abends so glücklich und zufrieden, dass ich erstmals keinen Blogbeitrag schreiben wollte, um wirklich jede Minute für mich auskosten zu können. Ich lief 30 Km in acht Stunden und landete am Ende des Tages in einer Herberge direkt am Meer. Es war ein Traum und ich wollte einfach nur am Strand sitzen und den Sonnenuntergang beobachten. Von meinem Zimmer aus konnte ich auf das Meer schauen und heute Morgen konnte ich tatsächlich den Sonnenaufgang von meinem Bett aus beobachten. Dieser Ort hat mein Herz erobert und ich könnte mir gut vorstellen irgendwann wieder dorthin zurück zu kehren. Um 9:00 Uhr hieß es aber erst einmal Abschied nehmen und ich lief die heutige Etappe über die komplette Distanz von 23 Kilometern mit dem Neuseeländer Steve. Am Morgen hatte ich ihm in der Herberge noch erzählt, dass ich gestern anscheinend meine schwarze Fleecejacke verloren habe, die ich die ganze Zeit tagsüber so gerne getragen hatte. Sie kostete nicht viel Geld, aber irgendwie gehörte sie hier auf dem Camino zu meinen Lieblingsteilen (was keine große Kunst ist, da ich nur wenige Kleidungsstücke bei mir habe). Steve und ich hatten jedenfalls den gleichen Rhythmus und es war sehr angenehm mit ihm zu laufen. Mal unterhielten wir uns angeregt und mal liefen wir einfach nur schweigend nebeneinander her. Wir hatten es zwischenzeitlich von der Zeit nach dem Jakobsweg und was sie uns wohl jeweils bringen wird. Ganz ehrlich, ich glaube aktuell nicht daran, dass ich so weiter leben werde wie bisher. Der Camino hat mich jetzt schon verändert und ich bin hier so relaxt, wie lange nicht mehr. Ich genieße jede Minute und bin froh, dass ich diesen „Mutausbruch“ gewagt habe.

Ich lief ca. 10 Meter vor Steve einen schmalen Waldweg hinunter, als ein paar Meter vor mir rechts ein Zettel hing. Im Vorbeilaufen nahm ich die fett geschriebene Überschrift „Achtung“ wahr und natürlich war ab diesem Zeitpunkt meine Neugierde geweckt. Ich hielt also an und las den Zettel mit der deutschen Überschrift und was ich dann erlebte kann eigentlich nur hier auf dem Camino passieren. In englisch schrieben ein Pole und ein Spanier, dass sie am Vortag eine schwarze Jacke gefunden und diese nun bei sich hätten. Weiter schrieben sie ihre heutige Unterkunft und eine Telefonnummer auf den Zettel und jetzt ratet mal in welcher Herberge ich heute gelandet bin? Genau, ich bin in einer wundervollen Pilgerherberge in Amandi und habe hier Greg aus Polen und Xavier aus Spanien getroffen, die mir meine geliebte Fleecejacke wieder zurück gegeben haben. Um 20:00 Uhr wird hier für alle anwesenden Pilger gekocht und wieder einmal fügt sich hier alles genau so, wie ich es gerade brauche. Die letzten zwei Stunden sind Steve und ich bei strömenden Regen gepilgert und auf den letzten Metern hatten wir nur noch den Wunsch nach einer warmen Dusche. Steve fügte dann noch den Wunsch nach einem Glas Wein vor einem wärmenden Ofen hinzu und ich muss Euch jetzt sicher nicht erzählen, was der Herbergsvater gerade angezündet hat und was es zu trinken gibt. Wäre ich nicht live dabei, ich würde wahrscheinlich viele Geschichten nicht glauben. Ich kann es nicht erklären, aber wir müssen hier oft nur unsere Wünsche aussprechen und ganz oft werden sie uns erfüllt.

Fazit des Tages: Formuliere Deine Wünsche klar und deutlich und lass sie geschehen bzw hab vertrauen, dass es genau so kommt, wie es kommen soll.

Memo an mich: Ich bin sehr ausgeglichen und glücklich. Ein wundervoller Zustand!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.