Jakobsweg

35. Tag

Lourenza – Abadin 27 Km (8 Stunden)

Ich startete morgens um 8:00 Uhr mit Angele von Lourenza aus und nach zwei Stunden hatten wir bereits Mondonedo erreicht. Die ersten neun Kilometer waren geschafft und nach einer ausgedehnten Frühstückspause machten wir uns schließlich auf den Weg nach Abadin. Diese Strecke hatte es allerdings in sich und brachte uns beide an unsere Grenzen. Es galt eine Strecke von 17 Kilometern, fast ausschließlich steil ansteigend und auf Asphalt laufend, zu überwinden. Der Weg schien endlos zu sein und immer, wenn wir dachten die Spitze erreicht zu haben, ging es wieder um eine Kurve und anschließend die nächste Serpentine aufwärts. Es war sicherlich eine der schwierigsten Etappen und mein entzündetes linkes Schienbein war bei Ankunft in der Herberge wieder einmal stark geschwollen und schmerzhaft. Zwischenzeitlich hatte ich die 700 Kilometer Marke erreicht, war aber einfach zu erschöpft, um mich richtig darüber freuen zu können. Am Abend kamen einige Pilger in einer Bar zusammen, wo wir dann gemeinsam zu Abend aßen und nach und nach auch einige Flaschen Wein leerten. Nach der sehr anstrengenden Etappe war dies ein schöner Abschluss im Kreise der Pilger Familie.

Ich komme Santiago immer näher und gleichzeitig kann ich mir nie sicher sein, ob mein Körper am nächsten Tag noch in der Lage ist weiter zu gehen. Ich freue mich über jeden gelaufenen Kilometer und ich finde mich langsam damit ab, dass mein Weg von Schmerzen begleitet sein wird. Es geht täglich darum herauszufinden, ob die Schmerzen ein Weiterlaufen tolerieren oder ob sie mich so kurz vorm „Ziel“ doch noch aus dem Rennen nehmen. Ich versuche täglich bei dieser Entscheidung die richtige Balance zwischen Vernunft und Ehrgeiz zu finden und ich muss zugeben, dass dies derzeit eine große Aufgabe für mich darstellt.

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