Jakobsweg

6. Tag

Zenerruza – Eskerika 28 Km (7 Stunden)

Nach der Königsetappe gestern war ich körperlich am Ende und ich wusste heute Morgen ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt los laufen sollte und hatte anfangs entsprechend erstmals ein kleines Tief. Nach dem Gewaltmarsch am Vortag ging ich gegen 21:45 Uhr ins Bett und schlief tief und fest, zumindest solange bis meine Bettnachbarin ihren Rucksack für die heutige Etappe packte. Dafür fuchtelte sie mit ihrer Stirnlampe rum und schien mir mit ihrer Lampe direkt in die Augen. Aus dem Tiefschlaf gerissen suchte ich auf meinem Handy nach der Uhrzeit und war zugegebenermaßen doch etwas überrascht. Die junge Italienerin packte tatsächlich um 5:30 Uhr ihre sieben Sachen zusammen, um sich auf ihren Weg zu machen. Dies war anscheinend dann auch der Startschuss für die anderen Pilger im Schlafsaal, denn kurz nach 6:00 Uhr war ich tatsächlich der letzte Pilger, der noch in seinem Bett lag. Um 6:45 Uhr war dann auch für mich die Nacht endgültig zu Ende und ohne Frühstück, geschweige denn Dusche startete ich um kurz nach 7:00 Uhr meine heutige Etappe. Ich wollte schauen, ob ich es irgendwie ins 16 Km entfernte Gernika packen würde und lief zunächst ziemlich unrund los. Ich lief mit dem Sonnenaufgang los und nach einer Stunde hatte ich meine Müdigkeit und die ersten Zweifel besiegt und kam immer mehr in meinen Rhythmus und rollte das Pilger Feld nach und nach von hinten auf. Nach knapp 2 Stunden lief ich an der Australierin Katarina vorbei und nach wenigen Metern eröffnete ich schließlich das Gespräch mit ihr und 5 Stunden und 28 Km später kamen wir gemeinsam in der heutigen Pilger Herberge in Eskerika an. Katarina ist eine wundervolle Frau und wir hatten ganz viel Spaß und sehr interessante Gespräche. Die Australierin war heute mein Geschenk und obwohl zwischenzeitlich meine Ferse offen ist, bin ich glücklich und zufrieden in der neuen Unterkunft angekommen. Heute Abend kann ich mal wieder kaum laufen, aber mittlerweile glaube ich selbst, dass ich Morgen wieder Schritt für Schritt voran kommen werde.

Fazit des 6. Tages: auch nach einer kleinen Krise kann noch ein wunderschöner Tag werden und manchmal reicht eine Begegnung mit einem besonderen Menschen, um einen unvergesslichen Tag zu erleben.

Memo an mich: ich überrasche mich selbst immer mehr und auch heute bin ich stolz auf mich.

Ich wünsche allen Lesern ein frohes Osterfest!

3 Kommentare

  • Steffi K

    Wirklich toll, deine täglichen Berichte und Hut ab, das ist echt eine wahnsinns Leistung. Und deine Bilder sind einfach nur wunderschön. Danke fürs Teilhaben Lassen! Alles Gute weiterhin! Fräulein Schnickschnack 😁

  • Yasmine

    Lieber Andreas,
    ich bin soo stolz auf dich! Und dass du auf dich stolz bist, macht mich wiederum glücklich! Deine Tagesberichte und die wunderschönen Fotos genieße ich jeden Tag, sie zu lesen bringt Ruhe in meinen Tag – ich schalte ab und tanke auf, erhole mich. Und dann erlebe ich jeden neuen Tag wieder viele Dinge ganz bewusst und achtsam.
    Sei auf deinem Weg weiterhin Achtsam, bin in Gedanken bei dir.

    weiterhin schöne Erlebnisse und alles Liebe,
    Yasmine

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