Jakobsweg

8. Tag

Bilbao – Pobena 26 Km (6 Stunden)

Nachdem noch vor wenigen Tagen die Königsetappe anstand, gab es heute für mich die „Mörder“ Etappe. Vorweg, ich bin körperlich völlig am Ende und habe heute mal so richtig gelitten. Während es am Morgen noch mit einem leckeren Frühstück startete und auch der Beginn in Bilbao mit dem Guggenheim Museum noch absolut sehenswert war, wurde es zunehmend immer schwerer für mich. Schon früh hatte ich Schmerzen in Hüfte, Beinen und Füßen und im Prinzip kam ich heute nie in einen flüssigen Gehrhythmus. Ab Kilometer 5-6 war es schon sehr unangenehm für mich und es ging heute die komplette Strecke über Asphalt. 26 km Asphalt mit Schmerzen und on top dann noch falscher Ehrgeiz von mir selbst. Anstatt nach 16 Km in Portugalete in eine Pilgerherberge zu gehen, wollte ich es noch bis Pobena schaffen. Diese 10 Km waren heute eine große Aufgabe, für die ich gerade auch die Quittung bekomme. Ich musste mich gerade während des Essens zurück ziehen und ich bin komplett ausgepowert. Die letzten 7 Km habe ich geflucht, gesungen und versucht mich mit Humor irgendwie am Laufen zu halten. In diesem Tief kam es dann noch dicker, als es plötzlich auch noch zu regnen anfing. Ausgelaugt, demotiviert und dann noch einen blauen, lächerlichen Regenponcho – da war er der Moment, wo man sich fragt „wozu das Ganze?“. Mit Spaß hatte das nichts mehr zu tun und es war nur noch über einen starken inneren Willen machbar irgendwie weiter zu laufen. 5 Km vor dem Ziel bin ich dann zu der Österreicherin Isabelle aufgelaufen, die ich die letzten Tage immer wieder getroffen habe. Wir beide waren bislang beide eher durch eine ruhige, ausgeglichene Art in Erscheinung getreten und heute hatten wir auf den Punkt unseren jeweiligen Tiefpunkt erreicht. Die beiden Ruhepole waren plötzlich nicht mehr so ruhend und es kostete uns beide viel Anstrengung noch irgendwie die Fassung zu wahren. Wir suchten nach der Gemeinsamkeit und fanden sie in der Härte gegen uns selbst. Isabelle hatte einige Kilometer zuvor mit sich selbst gekämpft und sich dann doch gegen den Bus entschieden, während mir noch nicht mal die Option Bus eingefallen war. Die Chance bereits 10 Kilometer zuvor in der letzten Unterkunft einzuchecken ließ ich liegen, weil mir die 16 Km von Bilbao zu wenig erschienen. Der tröstliche Teil der Etappe waren dennoch die letzten Kilometer mit Isabelle, weil wir da zumindest noch uns gegenseitig hatten.

Fazit des Tages: manchmal sind wir selbst unser größter Feind.

Memo an mich: komm mal von dem Ego Trip runter und höre besser auf Deinen Körper.

Heute habe ich gesehen was der Jakobsweg auch ist und zumindest war ich vom Kopf her darauf vorbereitet, dass ich nicht eben mal so den Jakobsweg locker laufen werde.

2 Kommentare

  • Frieda

    Und wieder wird es zutreffen: Nach Regen kommt Sonnenschein und er Poncho sieht doch ganz gut aus. Die Farbe ist schön blau. Alles Gute und der Spaß und die Freude kommt morgen wieder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.