Jakobsweg

9. Tag

Pobeña – Rioseco 38 km 9,5 Stunden

Manchmal muss es einfach nur dunkel werden damit wir die Sterne besser sehen können. Nachdem ich gestern meinen ersten Tiefpunkt hatte, startete der heutige Tag direkt mit Sonnenschein und atemberaubenden Aussichten. Die Etappe führte heute mehr oder weniger komplett an der Küste entlang und bescherte dazu heute Morgen auch noch Kaiserwetter. Ich startete zusammen mit der Österreicherin Isabelle in den Tag und schnell waren wir auf Wolke sieben und die Anstrengungen des gestrigen Tages waren schnell vergessen. Was wir heute geboten bekamen lässt sich nur schwer in Worte packen, aber es fühlte sich an wie das Paradies. Relativ schnell war deshalb auch das zunächst anvisierte Ziel Castro Urdiales erreicht und durch die sensationellen Aussichten war mein Hunger nach mehr geweckt. Auf die gelaufenen 22 Kilometer wollte ich also noch weitere 10 Kilometer bis nach Islares packen und dort in der Pilgerherberge dann absteigen. Die letzten 2 Kilometer bis Islares gingen dann auch wieder in die Beine und ich war froh, als ich endlich in Islares angekommen war. Dort dann die böse Überraschung, die Herberge hatte geschlossen. Es musste also improvisiert werden und ich konnte mir online ein Zimmer in Rioseco buchen. Es gab nur einen kleinen Haken, Rioseco war weitere 6 Kilometer entfernt . Nachdem ich mich gestern bereits verausgabt habe, packte ich heute also noch mal eins drauf. Castro Urdiales wäre eigentlich eine richtig schöne und angenehme Etappe gewesen und hätte nach den Anstrengungen gestern wohl auch Sinn gemacht. Die Schönheit der Etappe und mein Ehrgeiz trieben mich aber weiter an und mit der geschlossenen Pilgerherberge kam dann auch noch Pech dazu. Was soll ich sagen, anscheinend brauche ich etwas länger bis ich irgendetwas kapiere und heute Abend habe ich etwas Panik, dass ich mir heute meinen Rücken ruiniert habe. Die komplette Muskulatur ist zu und ich hoffe, dass ich noch eine weitere Chance erhalte und mich Morgen doch noch bewegen kann und verspreche mir eine angemessen, kürzere Etappe. Es war alles so schön heute und wieder einmal finde ich keine Grenzen. Ich ärgere mich gerade über mich selbst!

Ansonsten lief ich heute ab Castro Urdiales alleine und musste dabei an meine Pilger Kollegen denken. Da ist Julien aus Münster, Katrina aus Australien, der junge Maurice, meine Österreicherin Isabelle und auch Andreas aus Deutschland, den ich immer wieder mal irgendwo treffe. Andreas ist so Mitte bis Ende 50 und hat Frau und fünf Kinder und will gerade herausfinden, was er sich noch so von seinem Leben erwartet. Zuhause stößt sein Projekt „Jakobsweg“ auf wenig Gegenliebe und ich bin sehr gespannt, welche Antworten der Camino ihm geben wird. Ich mag all diese wunderbaren Menschen und alle sind sie mir in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen und haben mir etwas von sich gegeben. Möge der Jakobsweg Euch alle ans Ziel führen.

Fazit des Tages: manchmal wird es nur dunkel damit wir anschließend das helle besser sehen können.

Memo an mich: Bitte höre endlich besser auf Dich und Deinen Körper. Letzte Verwarnung!

Ein Kommentar

  • Gabi Emminger

    Hammer, was du heute geleistet hast – Hut ab……..geniale Bilder ……aber…..höre auf deinen Körper, er hat dir heute die Grenzen aufgezeigt……

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