Jakobsweg

Zwischen den Welten

Heute vor vier Monaten kam ich von meinem Trip aus Spanien zurück und noch immer fühlt es sich für mich an, als würde ich mich zwischen zwei Welten bewegen. Ich hatte die Zeit meines Lebens und ich war so frei, wie nie zuvor. Bis heute ist es mir nicht gelungen wieder so richtig hier zu Hause anzukommen und fast täglich führe ich diesen inneren Dialog, wie und vor allem wo ich mein Leben leben möchte. Ich glaube ich kann sagen, dass ich Fernweh habe und ich innerlich getrieben bin. Ich war eigentlich immer in Landau und hier habe ich meine kleine, gemütliche Wohnung, die ich mir genauso eingerichtet habe, wie ich es mag. Mitten in der Stadt und eine Mischung aus Vintage und Moderne, wo alles fußläufig zu erreichen ist und ich mitten im Geschehen bin. Da gibt es z. B. diesen ausgefallenen rosa, vintage Kühlschrank und mein großes, goldenes Wasserbett (ich weiß, klingt gerade nicht sehr männlich) und verschiedene Möbelstücke, die alle ihre eigenen Geschichten erzählen. Ich mag sie wirklich sehr meine Wohnung und gleichzeitig ist sie aktuell auch meine Fessel. Für Wohnung und Auto fallen zur Zeit die höchsten Kosten an und diese verhindern wiederum, dass ich mehr unterwegs sein kann. Irgendwie fühle ich mich wie die Katze, die versucht ihren eigenen Schwanz zu packen. Ich will frei sein und ich will mehr von der Welt sehen und gleichzeitig halte ich an meiner kleinen, heilen Welt fest, die mich hier „gefangen“ hält. Was brauche ich mehr? Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit oder doch eher den Schutz und das Vertraute? Als ich nach fünf Jahren meinen geliebten Laden leer geräumt habe, war ich selbst überrascht wie gut und schnell ich los lassen und mich von all den schönen Dingen trennen konnte. Kurz darauf war ich sechs Wochen mit nur einem Rucksack und wenigen Kleidungsstücken unterwegs und zu keiner Zeit habe ich irgendetwas dabei vermisst. Im Gegenteil, ich war so frei und erfüllt und habe festgestellt, wie wenig es braucht, um wirklich glücklich zu sein. Muss ich nur noch mal den Mut aufbringen und mich wieder lösen, um anschließend wieder freier sein zu können? Ich habe mein Baby (den Laden) los gelassen und ich habe auf dem Jakobsweg immer wieder liebgewonnene Menschen ziehen lassen und jedes Mal konnte ich anschließend dafür wieder etwas Neues ernten. Ich konnte einerseits den Trip meines Lebens machen und andererseits immer wieder neuen, interessanten Menschen begegnen. Jetzt sitze ich hier und überlege fast täglich warum ich mich plötzlich (noch) nicht traue auch mein Zuhause los zu lassen. Ich würde auf einen Schlag viel weniger finanzielle Mittel benötigen, was es mir im Umkehrschluss erheblich leichter machen würde wieder unterwegs sein zu können. Klar, ein krasser Gedanke plötzlich kein Zuhause mehr zu haben, keinen Ort an den man zurück kehren kann. Da sind sie also, meine zwei Welten. Die Welt der Freiheit und Abenteuer und die Welt der Sicher- und Geborgenheit. Bin ich einfach noch nicht so weit oder welcher Teil in mir muss mehr gehört werden? Ich glaube, dass ich weiter reisen und die Welt kennen lernen möchte, aber ein Teil von mir braucht gleichzeitig auch noch den Schutz und das Wissen, dass es ein Zuhause gibt. Ich bin selbst gespannt für welche „Welt“ ich mich entscheiden werde.

Der Künstler in mir will aktuell auch gesehen und gelebt werden und so habe ich in letzter Zeit immer wieder mal zu meiner Kamera gegriffen. In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder mal fotografiert und nach einiger Zeit schließlich die Kamera wieder zur Seite gelegt. Ich kann mir auch gut beantworten warum dies so war. Einerseits liebe ich es Dinge und Menschen durch meine „Augen“ sehen zu können und etwas zu produzieren bzw entstehen zu lassen und andererseits war mir meist mein eigener Perfektionismus im Weg gestanden. Ich habe leider keine Ahnung von der Technik und das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeiten und ISO sind mir größtenteils ein Rätsel und so habe ich nach einiger Zeit das Fotografieren immer wieder eingestellt, weil ich es schwer akzeptieren konnte etwas nicht perfekt zu beherrschen. Ich habe meiner Meinung nach aber ein Auge für die Fotografie und auch ein Gefühl für Farben und Formen und vor allem ganz viel Spaß beim Fotografieren. Es entspannt mich, wenn ich etwas ausdrücken kann, sei es beim Schreiben oder eben auch beim Fotografieren. Ich überlege leider zu oft, ob ich gut genug darin bin anstatt es einfach zu tun. Es ist gar nicht so einfach den inneren Perfektionisten auszuschalten bzw. zu ignorieren und einfach seiner Leidenschaft zu folgen und zu vertrauen. Aktuell wünsche ich mir, dass ich mich zukünftig mehr traue meine kreative Ader zu leben und ihr wohlwollender Zeit und Raum zu geben, um sich entfalten zu können. Ein Teil in mir möchte gerne reisen und die Welt durch seine Augen sehen und in Szene setzen und der andere Teil in mir lebt noch die erlernten Konventionen und baut sich selbst seine Grenzen. In der Theorie habe ich schon erkannt, dass es unsere Gedanken sind, die uns diese Grenzen setzen und die gleichzeitig verhindern, dass wir unser volles Potential (aus) leben. Hoffentlich finde ich den Mut meine eigenen Begrenzungen zu durchbrechen und mein Leben so zu leben, dass es mich erfüllt. Es wäre Zeit für einen Mutausbruch Teil 2.

Zuletzt habe ich fotografisch das Thema „Die Frau im Manne“ mit dem Model Alpha umgesetzt. Wir tragen alle in uns weibliche und männliche Anteile und sind dies nun zwei verschiedene „Welten“ oder ist es doch nur eine große „Welt“ mit vielen verschieden Facetten?

Model: Alpha
Foto: Andreas Fischer
Make up: Lilo Herstein
Location: Karina Kocksch Poledance Studio

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