Jakobsweg

Presseartikel in der Rheinpfalz

Andreas Fischer hat auf dem Jakobsweg fürs Leben gelernt !

Andreas Fischer hat es gewagt. Er hat sein altes Leben hinter sich
gelassen, um auf dem Jakobsweg zu sich selbst zu finden. Über einen im
wahrsten Sinne des Wortes steinigen Weg, der ein überraschendes Ende fand. Plötzlich packte ihn jemand an der Schulter. Andreas Fischer drehte sich um. Bevor er etwas sagen konnte, nahm ihn der alte Mann an die Hand und zog ihn mit sich. Ein, zwei Straßen weiter, dann blieb das Väterchen wieder stehen. Es zeigte auf das kleine blaue Schild mit der gelben Muschel und verabschiedete den Landauer wortlos mit einem Schubs in die richtige Richtung: zum Beginn des Jakobswegs. „Er muss beobachtet haben, wie ich herumgeirrt bin“, berichtet Fischer der RHEINPFALZ. Der 46-Jährige lacht über sich selbst als er hinzufügt: „Ich war schon immer etwas verplant. Ein Wunder, dass ich es geschafft habe.“ Fischer, der bis zu seiner Abreise im April nichts mit Wandern am Hut hatte, bewältigte aber nicht nur die 840
Kilometer von der nordspanischen Stadt Irun bis Santiago de Compostela. Er hat, wie er sagt, den Trip seines Lebens hinter sich.
Zuvor machte der Pfälzer, der auch als Model arbeitet, Schluss mit seinem alten Leben. Im Frühjahr schloss er endgültig die Tür seiner Modeboutique Roccaforte am Landauer Obertorplatz. Fünf Jahre lang spielte sich dort sein Leben ab. 350 Tage im Jahr, sechs Tage in der Woche. Er sei immer erschöpfter gewesen; sein Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen, wurde immer größer. Eine gescheiterte Beziehung habe bei seinem Entschluss auch eine Rolle gespielt. An seinem 46. Geburtstag ging die Reise dann schließlich los. Allein mit einem Rucksack, der sich anfangs noch fremd anfühlte, flog Fischer nach Bilbao (Spanien). Von dort aus nahm er den Bus nach Irun. „Mein Element ist das Wasser und daher war für mich klar, dass es der Küstenweg sein muss“, erklärt Fischer. Sechs Wochen lang war der Landauer zu Fuß unterwegs. Pro Tag marschierte er zwischen 14 und 38 Kilometer. Sein Weg führte ihn mal über steile Felsen, mal durch Wälder und dann wieder direkt am Strand entlang. „Die Landschaft, die ich auf dem Camino del Norte erleben durfte, war atemberaubend und unfassbar schön“, erinnert sich der Pfälzer. Die Flut an Sinnesreizen und die tollen Begegnungen seien jedoch schwer in Worte zu fassen. „Die Pilger passen aufeinander auf“, berichtet er. Oft habe ihn der Weg auch an seine Grenzen geführt. Hunger, offene Füße und Schmerzen in Hüfte und Beinen machten ihm zu schaffen. Einmal sei er „völlig kaputt“ an seiner Unterkunft angekommen, wo er auf genau die richtigen Menschen traf. Unter anderem behandelte ein Pilger, der Physiotherapeut war, seine schmerzenden Beine. „Es kam alles zu mir, was ich am Ende dieses verkorksten Tages brauchte“, sagt der 46-Jährige. Dieses „Wunder des Camino“ habe er noch viele weitere Male erlebt.

Nach der Reise ist vor der Reise

Als eine Achterbahnfahrt der Gefühle beschreibt er die letzte Etappe bis nach Santiago. Er sei völlig erschöpft gewesen und gleichzeitig unendlich glücklich. „Ich hatte tagelang starke Schmerzen ausgehalten, war erleichtert und gleichzeitig traurig, weil nun mit einem Schlag dieser großartige Weg zu Ende war. Es war einfach zu viel für einen Moment und so musste ich in der einen Sekunde lachen, um im nächsten Augenblick in Tränen auszubrechen“, erinnert er sich und erklärt: „Die Reise hat mein Leben verändert.“ Er habe viel auf dem Weg gelernt. Zum Beispiel Dinge anzunehmen und Menschen loszulassen. Vor allem aber in das Leben zu vertrauen und den Moment zu genießen. Auf keinen Fall möchte er wieder in alte Muster verfallen, weshalb er das Reisen zum Beruf machen will. „Der Rucksack, von dem ich anfangs nicht einmal wusste, wie man ihn verstellen kann, war sechs Wochen lang alles, was ich hatte. Und überraschenderweise hatte ich nichts von den anderen Dingen daheim vermisst“, sagt er. Als nächstes plant er eine Shootingreise durch Deutschland. Seine Idee: Er bietet sich als Model an und im Gegenzug erhält er eine Schlafmöglichkeit. „Ich möchte so neue Leute und Orte kennenlernen. Und über das Abenteuer will ich in meinem Blog berichten. Denn: Mein Zuhause ist inzwischen da, wo mein Rucksack ist.“

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