Jakobsweg

16.Tag

Santander – Boo de Piélagos 14 Km (3,5 Stunden)

Ich bin heute nach drei Tagen Pause wieder gelaufen bzw. ich bin mir nicht sicher, ob man dazu überhaupt laufen sagen darf. Mein Gangbild ist aufgrund der Schmerzen in den Beinen sehr unrund und Spaß macht das Ganze so auch nicht wirklich. Landschaftlich war heute zudem eine eher uninteressante Etappe und so passte samt meiner Erkältung irgendwie auch alles zusammen. Es ist gerade eine schwierige Phase und gleichzeitig glaube ich ganz fest daran, dass auch solche Phasen zu meinem Camino dazu gehören. Der Grund heute überhaupt zu starten war auch eher aus psychologischer Sicht zu suchen ,weil ich nach drei Tagen Pause einfach mal wieder das Gefühl brauchte weiter vorwärts zu kommen. Jetzt sind es auch „nur“ noch 558 Kilometer bis Santiago. Ich bin heute (gezwungenermaßen) sehr langsam gelaufen und habe für Camino Verhältnisse mit 14 Kilometern auch nur eine kleine Etappe zurück gelegt. Gelandet bin ich dann in einem Ort namens Boo de Piélagos und nachdem ich in der Pilgerherberge eingecheckt hatte wollte ich mir im Supermarkt noch etwas zu trinken und zu essen kaufen. Was ich dabei nicht bedacht hatte war, dass ich irgendwo im Nirgendwo gelandet und weit und breit kein Supermarkt zu finden war. Ich konnte also nicht richtig laufen, hatte Schmerzen, Hunger, Durst und war in irgendeinem Kaff „gefangen“ – ein rundum gelungener Tag! Ich ging also gerade immer mehr in meinem Leid auf, als gegen Mittag nach und nach immer mehr Pilger in der Herberge eintrafen. Paul aus der Eifel versorgte mich irgendwann mit Brot und Salami und Tanja aus Köln fand tatsächlich noch ein Stückchen Schokolade für mich in ihrem Rucksack und mit den ersten Gesprächen mit den anderen Pilgern steigerte sich langsam auch wieder meine Stimmung. Jetzt haben wir noch ein gemeinsames Abendessen und das tiefe Tal vom Mittag ist überschritten und so ganz langsam wird es immerhin noch ein ganz pasabler Tag.

Fazit des Tages: Am Ende des Tunnels kommt immer Licht und am Ende des Tages braucht es nur wenigstens einen Moment, der uns lächeln lässt.

Memo an mich: ich freue mich, dass Du nicht ganz in der Krise versunken bist und Dir von anderen Pilgern hast helfen lassen. Es ist völlig okay auch mal Hilfe anzunehmen.

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